Kindergarteneingewöhnung

private kindergarten

Als mein Sohn in den Kindergarten eingewöhnt wurde, war ich sehr nervös. Wir haben den Start der Eingewöhnung extra früh angesetzt, zwei Monate bevor ich wieder zu arbeiten begonnen habe. So, dachte ich, hat er genug Zeit, um sich einzuleben und ich konnte dann beruhigt, mit einem guten Gefühl wieder arbeiten gehen.

Ich habe mir verschiedene Kindergärten angeschaut und mich viel informiert, bevor wir uns für einen entschieden haben.

Die für mich wichtigsten Kriterien waren folgende:

–          In der Nähe meiner Arbeitsstätte

–          Relativ flexible Öffnungszeiten

–          Ein guter Betreuungsschlüssel

–          Bedürfnisorientiert

–          Keine strengen Regeln und Strukturen

–          Keine Massengruppen

–          Generelle Sympathie

Im Endeffekt haben wir uns für einen privaten Kindergarten entschieden, der direkt am Flughafen Wien gelegen ist. Also tatsächlich 5 Minuten von meiner Arbeitsstätte weg. Die Öffnungszeiten sind von 6:00 Uhr bis 19:00 Uhr. Es gibt nur zwei Gruppen, eine für die ganz Kleinen von einem Jahr bis zum dritten Lebensjahr und die zweite Gruppe dann ab 3 Jahren bis zum Schuleintritt. 6 Betreuerinnen kümmern sich um die Kinder und es sind maximal 15 Kinder pro Gruppe.

So weit so gut.

Schon beim Informationsgespräch waren mir alle sehr sympathisch, es wurde mir versichert, dass die Eingewöhnung auf das Kind abgestimmt wird. Also von irgendwelchen „Modellen“ war keine Rede.

Auch gewöhnt unser Kindergarten immer nur maximal zwei neue Kinder zur selben Zeit ein, damit auch genug Zeit für jedes da ist.

Am 1. November ging es dann also los. Mein Sohn und ich verbrachten den ganzen Vormittag gemeinsam in der Gruppe. Während ich noch Formulare ausfüllte, erkundete er schon mal die Umgebung und „beschnupperte“ die anderen Kinder. Die Eingewöhnungs-Betreuerin nahm immer wieder Kontakt zu ihm auf und zeigte ihm die verschiedenen Spielmöglichkeiten in der Gruppe. Die nächsten zwei Tage verliefen ähnlich. Wir kamen an, gingen gemeinsam in die Gruppe, ich setzte mich an den Rand und wenn mein Sohn soweit war, lief er los und spielte.

Seine Betreuerin ging immer wieder auf ihn zu und spielte mit ihm. Ansonsten lief das alltägliche Kindergartenprogramm nebenbei. Es wurde gesungen, Finger- und Bewegungsspiele gemacht. Wer nicht mitmachen wollte, der spielte frei an einer der vielen Stationen, die es in der Gruppe gab. Niemand hier wird gezwungen, irgendwo mitzumachen.

Am 4. Tag war es dann soweit, dass ich die Gruppe für 5 Minuten verließ und mein Sohn alleine blieb. Mir war sehr wichtig, dass ich mich verabschiedete und ihm genau sagte, dass ich kurz auf die Toilette gehe. In manchen Kindergärten ist es wohl  so, dass die Eltern angehalten werden, „einfach zu verschwinden“. Das kam für mich aber nicht in Frage und die Betreuerinnen unterstützten mich dabei.

Mein Sohn nahm meine Verabschiedung relativ unbeeindruckt zur Kenntnis und spielte weiter. Ich saß in der Garderobe mit riesigen Ohren und hochkonzentriert, damit ich sofort hörte, ob er weint.

Nach 5 Minuten ging ich wieder rein, holte ihn ab und wir fuhren nach Hause.

Das wurde deshalb so gemacht, damit mein Sohn den Ablauf begreifen kann: Mama verabschiedet sich – Mama kommt wieder – wir gehen nach Hause.

In der nächsten Woche blieb ich nur mehr eine halbe Stunde in der Gruppe und verabschiedete mich dann. Wir steigerten meine Abwesenheit immer um 10 Minuten.

Es klappte ganz wunderbar und ich war schon guter Dinge, dass die Eingewöhnung bald abgeschlossen war.

Am Ende der zweiten Woche kam dann die Ernüchterung. Mein Sohn brüllte, als ich mich verabschieden wollte und klammerte sich an mich. Am liebsten hätte ich mitgeheult.

Das wiederholte sich fast die ganze nächste Woche. Ich fühlte mich entsetzlich.

Ich blieb dann weiter mit ihm in der Gruppe und versuchte es einige Zeit später nochmal.

Zu Hause zweifelte ich. An mir, an dem Kindergarten, an meinem Wiedereinstieg in den Job. Mein Sohn tat mir so leid, es war die erste Trennung von mir und es war für uns beide furchtbar.

Ich telefonierte dann mit einer alten Freundin, die selbst Leiterin eines Kindergartens ist und sie gab mir den Tipp, nicht mehr in die Gruppe mit reinzugehen, sondern meinen Sohn in der Garderobe zu verabschieden. Sie erklärte mir, dass es wichtig sei, dass die Kinder sich auskennen. Also dass die Gruppe ihr Bereich ist und die Garderobe der Eltern-Kind Bereich. Sie sagte, wenn ich immer wieder in die Gruppe mit reingehe, dann verwirrt das meinen Sohn und er versteht nicht, warum ich dann wieder rausgehe. Sie sagte auch, dass es nicht schlimm ist, wenn ein Kind beim Verabschieden weint. Viel wichtiger sei es, dass sich das Kind von der Betreuerin, die ja die Rolle der Bezugsperson im Kindergarten übernehmen soll, in so kurzer Zeit wie möglich wieder trösten lässt.

Also atmete ich tief durch und versuchte das. Am Vorabend erzählte ich meinem Sohn, dass wir am nächsten Tag wieder in den Kindergarten fahren. Ich versuchte überhaupt, das Wort „Kindergarten“ so oft wie möglich zu verwenden und ihm viel davon zu erzählen. Auch im Auto auf der Hinfahrt erzählte ich ihm wieder, was wir heute machen werden. Im Kindergarten angekommen kam seine Betreuerin gleich an die Tür zur Garderobe. Ich hatte schon angekündigt, dass ich es gerne mal so versuchen würde, wie meine Freundin mir geraten hatte.

Ich hatte meinen Sohn am Arm und verabschiedete mich. Dann übergab ich ihn auf den Arm seiner Betreuerin, die ihn herzlich begrüßte und ihm gleich erzählte, was sie nun zusammen spielen werden. Mein Sohn begann zu weinen. Die Betreuerin ging mit ihm in die Gruppe und machte die Tür zu.

Ich stand in der Garderobe, das Ohr an die Tür gepresst und zählte laut. Sollte er länger als 60 Sekunden weinen, würde ich reinstürmen und ihn holen und niemand würde mich daran hindern.

Es dauerte genau 15 Sekunden, bis ich kein Weinen mehr hörte. Ich saß also 30 Minuten auf der Bank vor der Gruppentür und heulte. Als ich wieder in die Gruppe ging, um meinen Sohn zu holen, saß er am Schoß seiner Betreuerin und machte begeistert bei einem Fingerspiel mit. Als er mich sah, kam er aber sogleich auf mich zu und wir fuhren nach Hause.

Das wiederholte sich so oder so ähnlich die nächsten paar Tage. Wir steigerten meine Abwesenheit jeden Tag ein wenig mehr. In der nächsten Woche weinte er nicht mehr. Für ihn war es wichtig, dass seine Betreuerin ihn an der Tür zur Gruppe abholte. Alleine ging er nicht hinein. Das war aber kein Problem, sobald sie uns sah, kam seine Betreuerin auch schon an die Türe und nahm ihn auf den Arm.

Am Ende des zweiten Monates, kurz bevor ich wieder zu arbeiten begann war er bereits 4 Stunden alleine im Kindergarten. Ich beobachtete meinen Sohn in dieser Zeit sehr genau. Aber es schien ihm wirklich gut zu gehen. Er schlief ganz normal, sein Wesen hatte sich überhaupt nicht verändert. Er war zwar ein wenig anhänglicher bei mir als sonst, aber das wurde mir vorher gesagt, dass er wieder zu fremdeln beginnen könnte. Das hatte ich so erwartet. Ich sprach weiterhin viel vom „Kindergarten“, und immer wenn ich sagte, dass wir wieder in den Kindergarten fahren, strahlte er und sagt: „Ja! Auto, Auto.“

Ich begann also wieder zu arbeiten. Bald hatten wir eine Routine entwickelt, die für uns gut passte. Wenn mein Mann zu Hause ist, was ja nur alle zwei Wochen der Fall ist, bringt und holt er unseren Sohn. Ansonsten mache ich das. Mittlerweile (er geht nun das 5. Monat in den Kindergarten) muss er auch nicht mehr an der Tür abgeholt werden. Ich verabschiede mich, er schnappt seinen Rucksack und marschiert in die Gruppe.

Beim Abholen schleppt er sämtliche Spielsachen an und zeigt mir, womit er alles gespielt hat, bevor er aus der Gruppe rauskommt und wir nach Hause fahren.

Ich bin sehr, sehr glücklich, dass wir uns für diesen Kindergarten entschieden haben. Die Betreuerinnen sind wirklich herzlich und gehen auf die Bedürfnisse meines Sohnes ein. Er fühlt sich sichtlich wohl und so kann ich natürlich auch mit einem guten Gefühl arbeiten gehen.

Wie war eure Eingewöhnung? Hat es gut geklappt oder war es schwierig?

Eure Kristina