Der richtige Kindergarten

Ich habe ja schon einmal über die Eingewöhnung unserer Tochter im Kindergarten mit vier Jahren berichtet. Mit drei Jahren hatten wir schon einen gescheiterten Versuch in einer anderen Einrichtung. Es ist uns damals nicht leicht gefallen, die Eingewöhnung abzubrechen, da man ja schnell den Stempel der überbesorgten Eltern aufgedrückt bekommt. Im Nachhinein wissen wir allerdings, dass die Vorgehensweise dieser Einrichtung absolut nicht tragbar war und sind mehr als dankbar dafür, dass unsere Tochter nun einen so tollen Kindergarten besuchen darf. Daher möchte ich Euch heute ein paar Tipps für die Auswahl der richtigen Einrichtung geben.

Der Kindergarten:

Es ist absolut nicht entscheidend, wie groß das Außengelände des Kindergartens, die Auswahl der Klettergeräte, die Ausstattung der Innenräume ist (solange er nicht auseinanderfällt ^^), oder wie viele Ausflüge und Veranstaltungen oder Förderprogramme ein Kindergarten anbietet. ABER es ist absolut wichtig, wie der Umgang der Mitarbeiter untereinander und mit den Kindern ist. Dafür ist es auch hilfreich, die Leitung der Einrichtung kennen zu lernen. Steht sie hinter ihrem Team? Was für ein Bild hat sie von den Kindern? Wir alle kennen das Sprichwort” Außen hui, innen pfui”. Was bringt ein supermodern ausgestatteter Kindergarten mit riesigen Räumlichkeiten, wenn sich die Kinder dort nicht wohlfühlen, weil nicht auf ihre individuellen Bedürfnisse eingegangen wird.

Die Vorbereitung:

Ganz wichtig ist neben der Erstbesichtigung auch, ob ein Vorgespräch mit der geplanten Bezugsperson des Kindes stattfindet. Dort sollte ein erster Informationsaustausch über das Kind stattfinden, wichtige individuelle Verhaltensweisen, Vorlieben und Abneigungen sowie der Ablauf der Eingewöhnung besprochen werden. Ich bekam direkt einen Wochenplan ausgehändigt, auf dem ich die ersten drei Wochen komplett zur Begleitung mit eingeplant war. Dieser hätte bei Bedarf problemlos verlängert werden können. Alle Wünsche sollten direkt im Vorfeld klar festgelegt werden, damit die Eingewöhnung stressfrei laufen kann. ich war beispielsweise sehr erleichtert und konnte der Eingewöhnung viel entspannter entgegensehen, nachdem mir versichert wurde, dass in diesem Kindergarten, kein Kind schreiend von der Mutter zurück gelassen werden muss.

Die Eingewöhnung:

Während ich mir bei unserer gescheiterten Eingewöhnung wie ein unliebsamer Störfaktor vorkam, der die Erzieherinnen davon abhielt, ihrem gewohnten Trott nach zu gehen (nämlich nur miteinander, nicht aber mit den Kindern zu reden), wurde ich hier freudig in Empfang genommen und bekam Kaffee serviert.

Die Bezugserzieherin unserer Tochter begrüßte sie so liebevoll, dass sie ohne sich zu mir umzudrehen sofort mitging. Bereits am dritten Tag konnte ich den Gruppenraum verlassen. Nicht ein einziges Mal hatte ich das Gefühl, meine Anwesenheit sei den Erziehern unangenehm. Musste es auch nicht, denn der Umgang mit den Kindern ist einfach wunderbar.

Bis heute (6 Monate später) habe ich noch nie eine unangemessene Situation der Erzieher untereinander oder im Umgang mit den Kindern gehört. Sowohl beim Bringen, als auch beim Abholen darf ich unsere Tochter immer so lange wie nötig begleiten, ohne dass es bewertet wird oder ich mir fehl am Platz vorkomme. Zu Beginn war unsere Tochter sehr auf ihre Bezugsbetreuerin fixiert.

Als diese dann krank war, wollte sie nicht da bleiben und auch dies wurde kommentarlos akzeptiert. Nachdem unsere Tochter dann auch einen zweiten Erzieher vertraute, regelten es die beiden so, dass unsere Tochter IMMER bei einem der beiden mitlaufen durfte, sie achteten darauf, nicht gleichzeitig Pause zu machen und entschuldigten sie sich sogar, als es einmal nicht klappte. Mittlerweile bleibt unsere Tochter bei allen vier Erziehern gerne und ich kann mit Freude sagen, dass ich sie nie weinend im Kindergarten abgeben musste.

Emphatischer Umgang

Dieser Punkt ist mir am allerwichtigsten. Wie ist der Umgang mit den Kindern. Werden sie respektvoll behandelt, ihre Sorgen ernst genommen und wie werden Konfliktsituationen gelöst. Auf keinen Fall würde ich “Bestrafungen” wie Ausschluss oder Isolation akzeptieren. Aber auch der Umgang von Einrichtungsleitung gegenüber der Mitarbeiter und zwischen den Mitarbeitern ist ausschlaggebend. Bekanntlich stinkt ja der Fisch vom Kopf, daher sollte man sich vorher ein Bild von der Stimmung innerhalb des Teams machen.

Man merkt sehr schnell, ob es dort Unstimmigkeiten gibt. Diese können dann zu häufigen Krankheitsausfällen oder ständig wechselndem Personal führen, was für die Kinder natürlich sehr unschön ist. In unserem Kindergarten habe ich bei allen Mitarbeitern den Eindruck, dass ihnen die Arbeit Spaß macht.

Der Tagesablauf

Gerade für neue und etwas ruhigere Kinder ist ein gewisses Maß an Struktur hilfreich. Schlecht empfinde ich es, wenn die Bringzeit zu lange ist, also immer wieder noch Kinder gebracht werden und der Ablauf unterbrochen wird. In unserem Kindergarten müssen die Kinder bis 09:00 Uhr gebracht werden. Danach werden verschiedene Aktivitäten angeboten. Obwohl die Räumlichkeiten sehr eng und begrenzt sind, herrscht immer eine ruhige und stressfrei Atmosphäre, da die Erzieher sich sehr gut aufteilen. Entweder ein Teil betätigt sich kreativ und ein anderer Teil geht nach draußen.

An einem anderen Tag gehen die Kinder nacheinander in Kleingruppen zum Turnen, während die übrigen in der Gruppe beschäftigt werden. Es wird sich absolut viel Mühe bei der jahreszeitlichen Gestaltung gegeben. Die Dekoration wird mit den Kindern zusammen gestaltet, wobei es auf das Miteinander und nicht um das perfekte Aussehen der Endprodukte geht. Alles wird auf Fotos festgehalten und zeitnah im Flur auf Collagen ausgehängt. Fast wöchentlich zeigt mir unsere Tochter ein neues Bild, auf dem sie zu sehen ist.

Essen, wenn man Hunger hat

Das Frühstück ist für die Erzieher ein kleines Spagat: Schließlich haben nicht alle Kinder zur gleichen Zeit Hunger. Eine festgelegte Frühstückszeit würde aber dazu führen, dass nicht auf das individuelle Hungergefühl der Kinder geachtet wird. Frühstück in einem extra Frühstücksraum ist personalbedingt kaum möglich, da man dann ja den ganzen Vormittag über eine Person zur Begleitung abstellen müsste. Meist findet direkt morgens nach dem Bringen eine kleine, gemütliche Frühstücksrunde in der Gruppe statt, die von einer Erzieherin begleitet wird – wer noch keinen Hunger hat, kann aber gerne zu einem späteren Zeitpunkt essen.

Individuelle Nutzung der Stunden

Mir war wichtig, dass unsere Tochter einmal wöchentlich ihren Omatag bekommt. Zum einen habe ich das Gefühl, dass ihr fünf Tage Kindergarten am Stück zu viel währen, zum Anderen haben wir diese Möglichkeit wenn sie in die Schule kommt gar nicht mehr. Dies wurde vom Kindergarten akzeptiert.

So viel Hilfe wie nötig, so wenig wie möglich

Unserem Kindergarten ist sehr wichtig, dass die Kinder so viel wie möglich alleine machen, vorausgesetzt sie wollen dies. Besonders schön finde ich, dass hierbei nicht übertrieben korrigiert wird. So hat unsere Tochter immer wenn sie geturnt hat ihre Socken links herum an, was mich sehr freut. Ich sehe dann, dass sie es selber gemacht hat. Sollte ein Kind etwas nicht schaffen, beobachten die Erzieher zunächst, ob Hilfestellung durch ein anderes Kind möglich ist. Wenn dies nicht geht, sind die Erzieher schnell unterstützend zur Seite. Genau so ist es möglich, dass eine kleine Gruppe von Kindern unbeaufsichtigt in einem anderen Raum spielt. Ebenso ist es aber auch in Ordnung, wenn ein Kind viel Nähe von einem Erzieher braucht.

Mit unserem Kindergarten bin ich wirklich rundum zufrieden und ich kann allen Eltern nur Mut dabei machen, sich den Kindergarten genau anzusehen und sich gegebenenfalls für einen anderen zu entscheiden. Unsere Kinder verbringen schließlich einige Zeit in der gewählten Einrichtung und es sollte sichergestellt sein, dass sie sich in guten Händen befinden und sich wohl fühlen.

Habt Ihr noch weitere Punkte, die Eltern bei der Auswahl eines geeigneten Kindergartens beachten sollte?

Alles Liebe

Eure Rebekka

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