Mama muss TOP-Performer sein

Mama muss TOP-Performer sein

Es gibt zwei Wörter, die kombiniert ziemlich viel Schaden anstellen können. Ich und muss, für sich genommen ganz harmlos, aber wenn man sie zusammenstellt, treiben sie mich in den Wahnsinn. Wenn ich nachts aufstehe, dann schleichen sie sich schon in meinen Kopf: Morgen muss ich noch nach dem Arbeiten einkaufen gehen. Ich muss saugen und wischen. Ich muss die Küche aufräumen. Ich muss das Bad putzen. Wann habe ich das letzte Mal entstaubt, dass muss ich bestimmt auch noch! Jaja, denke ich mir verschlafen, noch ein paar Stündchen Schlaf, dann kümmere ich mich darum. Morgens, wenn ich zur Arbeit fahre, schleichen sich die bösen zwei Worte wieder in meinen Verstand und flüstern und säuseln mir die Ohren voll – den ganzen Tag durch. Und die Liste wird immer länger. Nach der Arbeit rennt man hin und her und versucht, die Ich-muss-Liste abzuarbeiten.

Die Kinder haben genau zwischen Nikolaus und Weihnachten Geburtstag. Also muss ich drei Feste durchorganisieren. Somit wird meine Liste von Tag zu Tag immer länger, denn das Gemeine mit der Hausarbeit ist: es erledigt sich NIE von allein, egal, wie sehr man es hofft. Bleibt es liegen, liegt es morgen auch noch. Schafft man es, sieht man es (spätestens) am nächsten Tag eigentlich nicht mehr. Bei zwei kleine Kindern braucht man sich nur für eine Sekunde umzudrehen und schon sind Fingertapser an Spiegeln und Küchenfronten, Krümel auf dem frisch gewischten Boden, oder die Spielzeugkisten haben sich ALLESAMT in diesem Augenblick entleert, natürlich ohne, dass die Kinder dazu beigetragen haben. Bei Staub und Dreck verhält es sich eigentlich genauso, der erscheint wie von Zauberhand. Somit bleibt „Ich muss putzen“ eigentlich jeden Tag auf meiner Liste stehen. Im Dezember kommen dann weitere Punkte wie Geschenke einkaufen und verpacken, Plätzchen backen, usw. usw. hinzu.

Warum also macht man sich immer so einen Stress? Warum muss man so viel? Wäre es nicht viel schöner, wenn man statt zu müssen, lieber etwas will? Eigentlich bin ich selbst dran schuld, an dem ganzen Ich-Muss-Dilemma.

Deshalb versuche ich die Sachen schnell abzuhaken, wie bspw. Geschenke kaufen. Dieses Jahr hatte ich schon im Oktober alle Weihnachtsgeschenke beisammen. Kleinigkeiten kann man dann noch dazukaufen, aber jetzt kann ich entspannt in den Weihnachtstrubel eintauchen. Bevor die Kinder da waren, wurden die verschiedensten Plätzchen gebacken, nun beschränken wir uns auf die Lieblingssorten: etwas für die Kinder, etwas für Papa und etwas was Mama gerne isst. Auf dem Weihnachtsmarkt oder beim Bäcker holen wir uns Plätzchenmischungen. Früher gab es ein ganzes Festmenü zu Weihnachten, mit Vorspeise, Hauptgang und Nachtisch. Das haben wir auch reduziert. Viele Familien sind mit Wiener und Kartoffelsalat zufrieden, also muss es nicht immer etwas Aufwendiges sein. Zum Geburtstag gibt es Torten, die der Bäcker fertigt, da muss ich nicht unendlich in der Küche stehen. Abends, wenn die Kinder schlafen, werden Einladungskarten gefertigt, oder Give-away-Tütchen gepackt. Alles, das man mit den Kleinen zusammen machen kann, machen wir auch zusammen. Dann dürfen sie Schneiden, kleben, binden, und die Karten beschriften: sie auf der einen, ich auf der anderen Seite. Arbeitsteilung finde ich bei so großen Festen sinnvoll: Papa ist für die Getränke zuständig, den Tisch vom Keller hochschleppen usw. Die Kleinen falten Servietten, oder müssen den Tisch decken. Weihnachten ist die Zeit, in der man viel Zeit mit der Familie verbringen sollte, eine Zeit der Freunde. Also warum sich das Leben schwer machen? Kinder freuen sich riesig, wenn man sie miteinbezieht.

Also versuche ich die bösen Ich-muss Wörter zu umgehen, mit Vorausplanen. Bleibt dann etwas liegen, dann ist morgen auch noch ein Tag. Dann ist das halt so, niemand ist perfekt.

Eure Alice