Da wird sie plötzlich groß!

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Seit einigen Monaten ist unser großes Mädchen nun ein Kindergartenkind. Nachdem wir nun die erste Krankheitsphase,  die ersten Weihnachtsferien überstanden und nun auch die allerersten Sommerferien, ihres so kleinen Lebens, hinter uns gebracht haben, möchte ich euch ein wenig von unserem zweiten Versuch, ein Kigakind zu werden, berichten.

Einige erinnern sich vielleicht an meinen Bericht über die erste, gescheiterte Eingewöhnung unserer Elisa, für die anderen, verlinke ich ihn HIER zum nachlesen.

Wenige Monate nach dem katastrophalen Eingewöhnungsversuch, fassten wir Mut, unsere Tochter, in neuen Einrichtungen, anzumelden. In neue, besser ausgewählte Kindergärten mit völlig anderem Konzept. Wir schauten uns die Kindergärten an, erfuhren viel über die unterschiedlichen Konzepte und Arbeitsweisen der Einrichtungen und entschieden uns, für genau drei neue Kindergarten, in die wir unser Mädchen, mit gutem Gewissen, schicken wollten.

Sechs Monate, nach der Anmeldung klingelte also unser Telefon: „ Wir haben einen Kindergartenplatz für ihre Tochter.“ sagte die nette Kigaleitung.

Als dieser Anruf kam war uns mulmig zumute. Einerseits freuten wir uns, andererseits hatten wir wahnsinnig Angst vor einem erneuten Versuch.

Wie der Zufall es so will, bekamen wir einen Platz in einer großen, städtischen Einrichtung, welche uns anfangs wenig Hoffnung auf einen Platz machte, aufgrund der langen Warteliste. Das offene Konzept und die vielen Beschäftigungsmöglichkeiten der Einrichtung gefielen uns von Anfang an sehr gut und auch, dass die Einrichtung nicht weit von uns entfernt lag, sprach uns natürlich sehr an.

Beim Aufnahmegespräch kommunizierten wir also offen unsere Vorgeschichte und die damit verbundenen Bedenken.

Wir, als Eltern und auch Elisa, wurden ernst genommen. Man versicherte uns, dass sie auf unser Kind schauen, auf Ihre Bedürfnisse und auf ihr Tempo. Schnell war also klar, dass die Bedürfnisse unseres Kindes nicht einfach übergangen werden. Dieses erste Gespräch beruhigte uns sehr. Gemeinsam schauten wir uns die Einrichtung erneut an. Die verschiedenen Möglichkeiten, der Themenräume, fand unser Mädchen einfach großartig. Wir lernten den Bezugserzieher unserer Elisa kennen, der Mensch, der sie also in den ersten Wochen und Monaten besonders begleiten würde. Die Sympathie war gleich auf beiden Seiten da und somit starteten wir, zwei Wochen später, in das neue Abenteuer.

Zuhause bereiteten wir Elisa auf die neue Situation vor. Wir kauften einen neuen Rucksack zusammen und erzählten ihr, dass sie nun bald ein Kindergartenkind werden darf. Sie freute sich sehr darauf, denn der eine Tag, der Anmeldung, gefiel ihr wirklich gut dort.

Die Eingewöhnung begannen wir  Nachmittags. Das offene Konzept des Kindergartens, ermöglichte es, dass ich mir einen Platz im Flur suchte und dort einfach beobachtend saß. Anfangs waren wir jeweils eine Stunde zu Besuch und es lief erstaunlich gut. Sie spielte mit den Kindern und dem Bezugserzieher und nahm kaum Notiz von mir. So konnten wir bereits nach einer Woche , kurze Trennungen versuchten, welche auch prima gelangen. Erst 10 Minuten, dann 20 Minuten , dann 40 Minuten und plötzlich blieb mein Mädchen schon eine ganze Stunde alleine im Kindergarten. Es lief alles so unglaublich leicht und selbstverständlich, dass ich es kaum glauben wollte.

Da wird sie plötzlich groß! EINFACH SO!

Keine Tränen, kein „MÜSSEN“, kein „ da musst du durch, Kind“.

Die Erzieher, die Einrichtung und auch der liebevolle Umgang mit den Kindern, fiel mir sofort auf und gefällt mir bis heute sehr. Kein Vergleich zum ersten Kindergarten!

Und Elisa? Sie ging von Anfang an so gerne in den Kindergarten und mir geht das Herz dabei auf, wenn ich sehe, wie sie sich freut morgens ihre Tasche zu packen und mit mir loszufahren.

Ich sehe Dinge an meinem Kind, die ich überhaupt noch nicht kannte. Und das, obwohl sie noch kein Jahr dort ist. Sie fühlt sich sichtlich wohl und fasst Tag für Tag mehr vertrauen in die Erzieher, die neue Situation und vorallem in sich selbst. Sie findet neue Freunde und freut sich täglich darauf diese zu sehen und mit ihnen spielen zu dürfen.

Und sie lernt so viel!

Sei es, dass sie schon jetzt die „Regeln“ der verschiedenen Räume kennt und sie mir von diesen erzählt, oder auch, dass sie , beim betreten der Einrichtung, selbstständig die Schuhe und die Jacke auszieht und die Hausschuhe anzieht.

Ja, da wird sie plötzlich groß!

Man gibt sich wahnsinnig viel Mühe mit unserer Tochter. Man zeigt ihr Dinge, die uns Zuhause nicht möglich sind. Man zeigt ihr, wie schön es sein kann, Ausflüge mit der Gruppe zu unternehmen. Ohne Mama und Papa, dafür mit ihren Freunden.

Ich dachte, dass wir eine längeren Weg in den Kigaalltag vor uns hätten. Doch Elisa überraschte uns mit einer turbomäßigen und problemlosen Eingewöhnung.

„ Jedes Kind ist anders und sein eigenes Tempo .“ waren die Worte einer ihrer Gruppenerzieher. Die Zeit, um in IHREM Tempo dort anzukommen, bekam sie von den lieben Menschen dort. Nach wenigen Wochen kam unser Kind dort an und ist seitdem dort nicht mehr wegzudenken.

Fremdbetreuung! Das ist so ein Wort, das viele Eltern, die bedürfnisorientiert erziehen,  verteufeln. Doch ich sehe, wie gut es unserer Elisa doch tut, Kinder und auch andere Erwachsene um sich zu haben.

Sicher ist das Zuhause und auch Mama und Papa das Beste für ein Kind. Wir sind ihr sicherer Hafen  und werden dies auch bleiben, egal was passiert. Doch wir haben nicht die Beschäftigungsmöglichkeiten, die ihr der Kindergarten bietet.

Es steht und fällt mit den Erziehern! Diesen Satz unterschreibe ich nun sofort! Aus der Erfahrung heraus!

Unser Mädchen testet sich aus und schafft sich einen ganz neuen Raum zum wachsen. Eine Ergänzung zu unserem Zuhause und unserer Familie. Andere Bezugspersonen, andere Kinder für das tägliche Zusammenspiel und neue Aufgaben, die wir einfach Zuhause manchmal komplett vergessen oder die untergehen. Ich sehe den Kindergarten nicht mehr als Fremdbetreuung, denn fremd ist unser Kind nun eben nicht mehr dort. Mehr ist er einfach ein Teil unseres Lebens  geworden.

Und das ist auch gut so!

Und ich bin so dankbar, dass wir diesen Weg gehen dürfen. Dankbar, dass sie Menschen kennenlernt, die SIE sehen, dankbar, dass all die Erzieher sich so viel um unser kleines Mädchen kümmern,  dankbar dafür, dass unser Kind auch dort ohne DRUCK aufwachsen darf und dankbar, dass man sie auch im Kiga so annimmt wie sie eben ist.

Ich freue mich für unseren kleinen Wirbelwind. Ich freue mich für sie, andere Freiheiten erleben zu dürfen und Freundschaften knüpfen zu können.

Da wird sie plötzlich groß! Wir begleiten sie dabei und sind mächtig stolz auf sie. Denn auch das bedeutet „Eltern sein“ – nämlich ein Stückchen loslassen. und dem Kind vertrauen. schenken.

Wie sind denn eure Erfahrungen mit Fremdbetreuung? Lasst es mich gerne wissen.

Liebste Grüße,

eure Tascha

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