Vom Langzeitstillen und Abstillen

Stillen, Abstillen, Langzeitstillen, Stillen trotz Schwangerschaft

4 Jahre , 4Monate, 24 Tage habe ich nun meine wunderbaren Zaubermädchen gestillt. Ich gab Ihnen Nähe und ernährte sie. Ich gab Ihnen Geborgenheit und Sicherheit.
Ich gab Ihnen Mama- ganz, ganz viel und ich gab Ihnen Zeit zu wachsen.

Seit März stille ich nun nicht mehr und heute möchte ich euch erzählen, wie unsere Stillzeit und das „Abstillen“ bei uns so lief.

Unsere große Tochter wurde im Oktober 2013 geboren. Sie war unser erstes Kind, ich hatte zuvor noch nie gestillt und ich war völlig überfordert damit. Ich wollte stillen, unbedingt und so kämpften wir uns von Mahlzeit zu Mahlzeit.

Stillen, das klang so einfach. In der Theorie – doch die Praxis sah völlig anders aus. Probleme beim Anlegen dank Mamas Schlupfwarzen, aufgerissene und blutige Brüste, Stillhütchen, Kompressen, einseitiges Stillen, abpumpen, zufiel Milch, Silbereinlagen, Milchstaus  und Schmerzen begleiteten uns! Ja es war ein harter Weg. Ich beneidete oft die Mamas, die keine Probleme mit dem Stillstart hatten und es flossen so viele Tränen meinerseits. Ja, manchmal erschien es mir unmöglich, dass ich mal gerne stillen werde, denn als schön empfand ich leider die ersten Wochen gar nichts am stillen.

4 Monate kämpften wir, bis die Wunden verheilt waren und wir ohne Hilfsmittel und Probleme stillen konnten.
Erst da begann ich unsere Stillbeziehung genießen zu können!

Wir stillten viel! Sehr viel. Unser Mädchen war ein Refluxkind und es war wirklich fast ein Dauerstillen bis zur festen Nahrung. Wir stillten stündlich, an manchen Tagen sogar alle 30Minuten und das rund um die Uhr.  Aber ich nahm es gerne in Kauf und dank Familienbett, war das nächtliche Stillen kein großer Aufwand.

Als unser Mädchen 8 Monate alt war, wurde ich erneut schwanger. Ich stillte die komplette Schwangerschaft über. Immer wieder hörte ich, dass dies nicht ginge, aber meine Ärztin und auch die Hebamme versicherten mir, dass es funktionieren wird, solange ich mich dabei Wohl fühle. Und das tat ich. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass ich mein großes Mädchen abstillen soll, nur weil ein neues Leben in mir heranwuchs. Und so groß war sie ja noch gar nicht- mit erst 8 Monaten.  Erst mit dem ersten Lebensjahr begann sie richtig zu essen und somit reduzierte sich das Stillen natürlich allmählich. Doch auch zum Einschlafen und in der Nacht stillten wir weiterhin stündlich. Elisa wurde 16 Monate und plötzlich begann sich das Stillen deutlich zu verringern. An was es lag? Ich weiß es nicht genau, jedoch kam es mir zu diesem Zeitpunkt viel zu schnell vor. Plötzlich stillte sie nachts nur noch alle 3 Stunden und in mir wuchs die Panik, dass ich nachts entbinden könnte und mein Mädchen ohne mich zurecht kommen müsste.

Als sie 17 Monate alt wurde, begannen wir also dann das nächtliche Abstillen mit ihr. Es war ein Versuch, ein Experiment- da die Geburt unseres zweiten Kindes immer näher rückte. Ich bot ihr also nachts Wasser an, anstatt die Brust zu geben. Ich erklärte ihr vorher, dass sie Nachts nun Wasser trinken kann und die Brust schläft und schwups- sie nahm das Wasser ohne auch nur eine Träne zu vergießen. Sicher hatten wir die ein oder andere Nacht dabei, in der sie unruhig war, in der sie schlechter in den Schlaf fand und meckerte, aber  wir schafften es immer wieder kuschelnd einzuschlafen.

Unser kleines Mädchen kam zur Welt und das große Mädchen stillte sich ab. Es war, als hätten sie sich abgesprochen. Es klappte wunderbar und wieder floss nicht eine einzige Träne dabei .

Unser kleines Mädchen stillte wie ein Profi und auch ich ging das Stillen sehr viel entspannter an, als bei Kind Nr 1. Die Erfahrung machte mich gelassen und auch, dass unsere große Tochter mit uns zusammen kuschelte, während des Stillens, entspannte mich. Ich genoss das Stillen und kuscheln mit meinen beiden Mädchen und das von Anfang an. Wie schon die große Schwester, stillte auch unser kleines Mädchen gerne und viel. Ein Ende war nicht in Sicht. Ich stillte sie über den ersten und auch den zweiten Geburtstag und darüber hinaus. Sie futterte natürlich wie eine Große am Tisch mit und das auch schon sehr früh. Bereits mit 9 Monaten fand sie die täglichen Familienmahlzeiten sehr viel interessanter als Mamas Brust. Doch als Nachspeise musste es die Muttermilch sein und das bis zu dem Tag, an dem wir dann letztendlich abstillten.

Und plötzlich kam da etwas, mit dem ich niemals gerechnet hatte. ICH wollte nicht mehr stillen.

Wenige Wochen vor ihrem 3. Geburtstag beschloss ich, dass ich nicht mehr stillen möchte. Ich merkte in der Zeit, dass ich mich einfach nicht mehr so wohl fühlte und dass ich meinen Körper nun nicht mehr dem Kind als Nahrungsquelle zur Verfügung stellen möchte. Im ersten Moment empfand ich diesen Wunsch des Abstillen als sehr egoistisch, aber je mehr ich darüber nachdachte, desto sicherer wurde ich, dass ich das Richtige tun würde.  Sie brauchte meine Muttermilch nicht mehr zum Überleben. Sie dockte bei jeder Mahlzeit kurz an, trank wenige Sekunden, wechselte dann die Brust um dort ebenso kurz zu trinken. Ich glaube, es war die Gewohnheit.

 

So beschloss ich eben erst einmal Nachts abzustillen. Und so begaben wir uns wieder auf eine Reise, einen Versuch oder ein Abenteuer- wies schon beim ersten Kind.

Ich erklärte also unserem Mädchen, dass die Brust müde sei. Dass wir nicht mehr stillen werden und sie in Zukunft Wasser trinken kann, wenn sie nachts wach wird.

Ich stellte mich schon auf einen Wutausbruch der Superlative ein. Dieser blieb jedoch aus. Sie akzeptierte es und ab diesem Moment waren wir stillfrei.  Sie verlangte nicht mehr danach. Sie trank Wasser ohne einmal zu weinen. Sie kuschelte sich nachts in den Schlaf, anstatt zu stillen und ich war wirklich erleichtert darüber.

Meine Brüste machten das plötzliche Abstillen gut mit, erstaunlicherweise!
Es lief also alles sehr viel entspannter als ich es mir vorgestellt hatte.

Auch heute floss noch kein Tränchen. Mein Kind schläft nun sehr viel ruhiger, als vorher.

Ich glaube, dass wir beide einfach bereit waren. Bereit abzustillen und auch bereit zum wachsen.

Wie sind denn eure Erfahrungen mit dem (Langzeit-) Stillen und Abstillen?

 

Liebste Grüße,

Eure Tascha